Offener Brief an Kultusminister Piazolo

Sehr geehrter Herr Staatsminister Prof. Piazolo,

seit beinahe 12 Monaten stellt die Corona-Pandemie unsere Gesellschaft in vielen Bereichen auf eine harte Probe. Und seit genauso langer Zeit ist für die Schülerinnen und Schüler, ihre Eltern und Lehrkräfte nichts mehr wie es einmal war.

Schulschließungen, Distanzunterricht, Wechselunterricht und Präsenzunterricht geben sich die Klinke in die Hand. Oft bleibt den Betroffenen nur wenig Zeit sich auf die wechselnden Situationen einzustellen.

Erschwerend kommt hinzu, dass Sie den bayerischen Ferienplan durch die Streichung der Faschingsferien empfindlich aus dem Gleichgewicht gebracht haben. So ist ein ferienfreier Unterrichtsblock von beinahe drei Monaten Länge entstanden. Dies wurde bereits Anfang Januar zurecht kritisiert. Unterschriften von über zehntausend Betroffenen die sich in Form einer Petition aus diversen und guten Gründen gegen Ihre Planungen, dem Streichen der Faschingsferien, ausgesprochen haben, interessierte Sie nicht.

Schulferien sind mehr als reine Freizeit. Sie sind elementarer Erholungsbestandteil sowohl von Schülerinnen und Schülern als auch von Lehrkräften und in diesem Jahr besonders auch von Eltern.

Homeoffice zum einen und Homeschooling zum anderen führte und führt bei nicht wenigen Familien zu psychischen und emotionalen Extremsituationen. Tränen, Konflikte und Frustration stehen bei vielen Betroffenen an der Tagesordnung. Experten warnen vor Langzeitfolgen. Dass dieser Fakt von Ihrem Ministerium ignoriert wird, ist ein Schlag in das Gesicht für viele Schülerinnen, Schüler, Eltern und Lehrkräften.

Ferien dienen den Lehrerinnen und Lehrern dazu sich auf den Unterrichtsstoff des folgenden Zeitraums adäquat vorzubereiten und geben Gelegenheit, dass Schülerinnen, Schüler, Lehrer und Eltern den Kopf wieder frei bekommen können.

Nun werden am 22.02.21 die Grundschulen vom Distanz- in den Wechselunterricht „umschalten“. Das halten wir für eine richtige Entscheidung, fordern aber auch unter Einhaltung schlüssiger Hygienekonzepte den Präsenz- bzw. Wechselunterricht für ältere Jahrgangsstufen zu ermöglichen.

Die vom Freistaat geförderten Raumluftfilter können hier ein zielführender Baustein sein, die Bereitstellung von Schnelltests für „Schulfamilien“ ein Anderer. Viele andere, mittlerweile elementare, Hygienemaßnahmen sind nicht mehr wegzudiskutieren und auch in Schulen umzusetzen.

Die „Bildungsschere“ klafft zudem noch weiter als bisher auseinander. Häufig gibt es sprachliche Probleme, Nachteile in der Bildung oder zeitlicher Mangel aufgrund der Berufstätigkeit der Eltern. All diese Faktoren benachteiligen nicht wenige Kinder im Bildungserfolg. Schule ist mehr als das Erreichen von Lernzielen. Dies gilt auch - und gerade - in schwierigen Zeiten! Die soziale Entwicklung im Kreise von Mitschülern, Freundinnen, Freunden und Lehrkräften ist lange genug auf der Strecke geblieben.

Experten raten zudem zur Rückkehr von Präsenzunterricht um häusliche Gewalt gegen Kinder und Jugendliche vorzubeugen. Diese unbequemen Nebenwirkungen der Corona-Politik werden in Ihren Reihen und der gesamten Regierungskoalition leider überhaupt nicht beachtet.

Wir bitten Sie und fordern Sie auf, schnellstmöglich allen Betroffenen faire Bildungschancen zurückzugeben. Selbstverständlich unter Einhaltung eines ganzheitlichen Hygienekonzeptes und unter Beachtung der regionalen Inzidenzzahlen.

Denn abschließend stellen wir uns die Frage: Wem ist geholfen, wenn am Schuljahresende erschöpfte Schülerinnen, Schüler, müde Eltern und ausgebrannte Lehrer übrig bleiben?

Mit liberalen Grüßen

Claus Rothlehner
FDP Kreisverband Rottal-Inn

Michael Limmer
FDP Kreisverband Dingolfing-Landau

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